Gewalt am Arbeitsplatz an Halloween Prävention und Unterstützung für Beschäftigte in Kundenberufen

Experteninterview: Einsatz an Halloween – „Das Sicherheitsnetz ist wichtiger als der Chef“

Berlin, 29. Oktober 2026

In der Halloween-Nacht kommt es häufig zu Angriffen auf Polizei und Rettungsdienste. Auch Beschäftigte in anderen kundenorientierten Berufen sind von Gewalt betroffen. Prof. Kerstin Alfes von der ESCP Business School in Berlin untersucht seit mehreren Jahren, wie Mitarbeitende in solchen Bereichen mit Gewalt umgehen und welche Unterstützungsmaßnahmen ihnen helfen.

Wer ist an Halloween stärker gefährdet: Polizist:innen oder Kassierer:innen?

Ein direkter Vergleich ist schwierig. Polizist:innen rechnen mit einem gewissen Maß an Gewalt als Teil ihres Berufsalltags. Für Kassierer:innen oder Busfahrer:innen hingegen sind verbale Angriffe oder Drohungen unerwartet und hinterlassen oft nachhaltige Spuren. Entscheidend ist jedoch, wie Organisationen auf Gewalterfahrungen reagieren und welche Hilfen sie den Betroffenen anbieten.

Welche Belastungen entstehen durch Gewalt?

Verbale Gewalt wird häufig unterschätzt, obwohl sie starke Nachwirkungen haben kann. Viele Betroffene fühlen sich gezwungen, diese Vorfälle als normal hinzunehmen. Wesentlich ist jedoch, dass sie die Möglichkeit haben, offen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Dies kann helfen, die psychische Belastung zu reduzieren.

Wie können Organisationen nach einem Vorfall unterstützen?

Die wichtigste Erkenntnis lautet: Ein funktionierendes Sicherheitsnetz innerhalb der Organisation ist entscheidender als die Rolle der direkten Führungskraft. Psychologische Betreuung, Resilienztrainings und verlässliche Ansprechpartner bieten den Betroffenen den größten Rückhalt. Auch wenn die Führungskraft in einer Situation nicht optimal reagiert, können diese Maßnahmen den Umgang mit Gewalt erleichtern.

Welche Rolle spielt Prävention?

Präventive Maßnahmen sind unerlässlich und variieren je nach Berufsgruppe. Im Einzelhandel liegt der Fokus auf Deeskalation und dem Umgang mit verbaler Gewalt. Bei der Polizei kommen zusätzlich Trainings für den Umgang mit körperlicher Gewalt sowie Schutzausrüstung wie Bodycams zum Einsatz. Organisationen, die präventiv handeln, stärken ihre Mitarbeitenden und reduzieren die Abhängigkeit von der Tagesform einzelner Vorgesetzter. Studien der ILO und WHO zeigen zudem einen Anstieg von Gewalt am Arbeitsplatz in westlichen Ländern.

Wie können Kolleg:innen und Führungskräfte Betroffene unterstützen?

  • Zuhören und die Betroffenen ernst nehmen
  • Auf Verhaltensänderungen wie Rückzug oder Reizbarkeit achten
  • Das Erlebte nicht bagatellisieren
  • Eine offene Organisationskultur fördern, die psychische Belastungen anerkennt

Es ist wichtig, dass Mitarbeitende nicht das Gefühl haben, trotz belastender Erfahrungen einfach weitermachen zu müssen. Sowohl das direkte Umfeld als auch die Organisation sollten signalisieren, dass es keine Schwäche ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen und Zeit zur Verarbeitung zu benötigen.

Über Prof. Kerstin Alfes

Kerstin Alfes ist Professorin für Organisation und Personalmanagement an der ESCP Business School in Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem den Sinn von Arbeit, Arbeitsbedingungen in Extremberufen sowie Neurodiversität.

Informationen zur ESCP Business School

Die 1819 gegründete ESCP Business School ist die älteste Wirtschaftshochschule weltweit. Mit Standorten in Berlin, London, Madrid, Paris, Turin und Warschau betreut sie jährlich über 11.000 Studierende sowie 6.000 Führungskräfte aus 140 Ländern. Das Bildungsangebot umfasst Bachelor-, Master-, MBA-Programme, Promotionen und Executive Education mit campusübergreifender Studienerfahrung.

Website: www.escp.eu

Kontakt für Rückfragen und Interviewanfragen

ESCP Business School, Campus Berlin
Jessica Thater
E-Mail: jthater@escp.eu
Telefon: +49 (0)30 – 32 007-102

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin

Prof. Kerstin Alfes
Professorin für Organisation und Personalmanagement
E-Mail: kalfes@escp.eu

Schreibe einen Kommentar