„Gesteinsmehlverwitterung: Chancen und Risiken für die Kohlenstoffbindung im Klimaschutz“

„Gesteinsmehlverwitterung: Chancen und Risiken für die Kohlenstoffbindung im Klimaschutz“

In den letzten Jahren hat die Diskussion über die Möglichkeit, atmosphärischen Kohlenstoff durch die Verwitterung von Gesteinsmehl langfristig zu binden, an Intensität gewonnen. Diese Methode, die als eine potenzielle Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels betrachtet wird, zieht sowohl das Interesse von Wissenschaftlern als auch von gesellschaftlichen Akteuren auf sich. Ein Forschungsteam, das unter der Leitung des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz in Deutschland und der ETH Zürich arbeitet, hat jedoch nun in einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature Reviews Earth & Environment auf die bestehenden Unsicherheiten hingewiesen, die mit dieser Methode verbunden sind.

Die Idee hinter der Verwitterung von Gesteinsmehl basiert auf einem natürlichen Prozess, bei dem Mineralien, die in Gesteinen enthalten sind, durch chemische und physikalische Einflüsse abgebaut werden. Dabei entstehen neue Verbindungen, die in der Lage sind, Kohlenstoffdioxid (CO2) aus der Atmosphäre zu absorbieren und zu binden. Dies könnte theoretisch dazu beitragen, die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu senken und somit den Klimawandel zu verlangsamen.

Trotz dieser vielversprechenden Ansätze gibt es jedoch zahlreiche Faktoren, die die Effektivität dieser Methode beeinflussen können. Die Forschung hat gezeigt, dass die Reaktionen, die bei der Verwitterung von Gesteinsmehl ablaufen, von verschiedenen Bedingungen abhängen, wie etwa der Art des Gesteins, den klimatischen Gegebenheiten, der Bodenbeschaffenheit und den mikrobiellen Aktivitäten im Boden. Diese Variabilität macht es schwierig, zuverlässige Vorhersagen über die Menge an Kohlenstoff zu treffen, die tatsächlich gebunden werden kann.

Das Forschungsteam hat sich intensiv mit diesen Unsicherheiten auseinandergesetzt und betont, dass es noch viele offene Fragen gibt, die beantwortet werden müssen, bevor die Verwitterung von Gesteinsmehl als nachhaltige Strategie zur Kohlenstoffbindung angesehen werden kann. Ein zentrales Anliegen der Wissenschaftler ist es, ein besseres Verständnis für die biogeochemischen Prozesse zu gewinnen, die an der Verwitterung beteiligt sind. Dazu gehört auch die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Mikroben und Mineralien, die die Kohlenstoffbindung beeinflussen können.

Ein weiterer kritischer Punkt, den die Forscher ansprechen, ist die Skalierbarkeit dieser Methode. Um einen signifikanten Einfluss auf die globalen Kohlenstoffemissionen zu haben, müsste die Verwitterung von Gesteinsmehl in einem viel größeren Maßstab durchgeführt werden, als es derzeit der Fall ist. Dies wirft Fragen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Gesteinsmehl, der logistischen Umsetzung und der potenziellen ökologischen Auswirkungen auf. Vor allem die Gewinnung und der Transport von Gesteinsmehl könnten erhebliche Umweltkosten verursachen, die es zu berücksichtigen gilt.

Darüber hinaus ist es wichtig, die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, die für die Implementierung solcher Technologien erforderlich sind. Die Akzeptanz in der Bevölkerung, die rechtlichen Vorgaben und die wirtschaftlichen Anreize spielen eine entscheidende Rolle dabei, ob und wie solche Techniken in der Praxis umgesetzt werden können.

Die Autoren des Papers appellieren an die wissenschaftliche Gemeinschaft, mehr Forschung in diesem Bereich zu betreiben, um die bestehenden Wissenslücken zu schließen. Sie fordern eine interdisziplinäre Herangehensweise, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Klima, Boden und biologischen Prozesssystemen besser zu verstehen. Nur so können fundierte Entscheidungen getroffen werden, die sowohl ökologisch nachhaltig sind als auch einen echten Beitrag zur Reduktion der Kohlenstoffemissionen leisten.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Verwitterung von Gesteinsmehl als Methode zur Kohlenstoffbindung zwar vielversprechend klingt, jedoch noch viele Unbekannte mit sich bringt. Die Erkenntnisse des Thünen-Instituts und der ETH Zürich verdeutlichen, dass weitere Forschung notwendig ist, um das Potenzial dieser Technologie realistisch einschätzen zu können. Es bleibt abzuwarten, inwieweit diese Ansätze in der zukünftigen Klimapolitik Berücksichtigung finden werden.