Studie zeigt: Studentinnen erleben mehr Diskriminierung und schätzen ihre Erfolgschancen im Studium geringer ein als Männer.

Studie zeigt: Studentinnen erleben mehr Diskriminierung und schätzen ihre Erfolgschancen im Studium geringer ein als Männer.

Diskriminierungserfahrungen und Studienerfolgserwartungen bei Studentinnen

Eine aktuelle Untersuchung, veröffentlicht im Journal Research in Higher Education, zeigt, dass Studentinnen häufiger Diskriminierung erfahren als ihre männlichen Kommilitonen und ihre Erfolgserwartungen im Studium niedriger einschätzen. Besonders relevant sind dabei subtile beziehungsweise relationale Diskriminierungsformen wie soziale Ausgrenzung oder die Abwertung von Leistungen. Überraschenderweise tritt dieser Zusammenhang vor allem in frauendominierten Studienfächern auf.

Häufigkeit und Formen von Diskriminierung

Die Studie basiert auf Daten einer Befragung von Studierenden in Deutschland im Jahr 2021. Insgesamt berichten Studentinnen signifikant häufiger von Diskriminierung als Studenten. In männerdominierten Fächern geben etwa 49 % der Studentinnen an, relationale Diskriminierung erlebt zu haben, während 29 % von offener Diskriminierung berichten.

  • Relationale Diskriminierung: Weniger offensichtliche Formen wie soziale Ausgrenzung oder die Herabsetzung von Leistungen.
  • Offene Diskriminierung: Deutliche Formen wie Beleidigungen, sexuelle oder körperliche Übergriffe.

Während bisherige Forschungsschwerpunkte meist auf offenen Diskriminierungsformen lagen, berücksichtigt die vorliegende Studie auch die subtileren Varianten.

Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Erfolgserwartungen

Studentinnen schätzen ihre Chancen auf einen erfolgreichen Studienabschluss im Durchschnitt niedriger ein als Studenten – der Unterschied beträgt etwa fünf Prozentpunkte, selbst nach Kontrolle weiterer Einflussfaktoren. Diese Erfolgserwartungen sind entscheidend, da sie mit dem tatsächlichen Studienerfolg und dem Verbleib im Fach korrelieren.

Die Analyse zeigt, dass Diskriminierungserfahrungen rund 8,4 % des Geschlechterunterschieds in den Erfolgserwartungen erklären. Insbesondere relationale Diskriminierung steht in einem signifikanten negativen Zusammenhang mit den Erfolgserwartungen von Studentinnen. Offene Diskriminierung weist hingegen keinen vergleichbaren statistisch relevanten Effekt auf.

Unterschiede zwischen frauendominierten und männerdominierten Studienfächern

Ein unerwartetes Ergebnis ist, dass der negative Einfluss relationaler Diskriminierung auf die Erfolgserwartungen vor allem in frauendominierten Studiengängen zu beobachten ist. Obwohl Diskriminierung in männerdominierten Fächern häufiger berichtet wird, zeigt sich dort kein vergleichbarer Effekt auf die Erfolgserwartungen.

Als mögliche Erklärung diskutieren die Autorinnen, dass subtile Diskriminierung in frauendominierten Umgebungen, in denen Unterstützung und Zugehörigkeit erwartet werden, besonders belastend und überraschend sein könnte. Frauen in männerdominierten Studiengängen könnten hingegen besser auf Barrieren vorbereitet sein oder über spezifische Bewältigungsstrategien verfügen. Diese Hypothesen wurden jedoch nicht direkt untersucht.

Implikationen für Forschung und Hochschulpraxis

Die Ergebnisse legen nahe, Diskriminierung an Hochschulen umfassender zu erfassen und neben offensichtlichen auch subtile Formen stärker zu berücksichtigen. Zudem sollten Unterschiede zwischen den Studienfächern bei der Analyse von Diskriminierungserfahrungen und deren Auswirkungen intensiver beachtet werden.

Methodische Grundlage der Studie

Die Untersuchung basiert auf der Studierendenbefragung Deutschland 2021 mit rund 188.000 Teilnehmenden an 250 Hochschulen. Für die Analyse wurden nach Datenbereinigung 9.512 Studierende ausgewählt, darunter 5.825 Frauen. Die Studie analysiert den Beitrag relationaler und offener Diskriminierungserfahrungen zum Geschlechterunterschied bei den Studienerfolgserwartungen sowie deren Variation in Abhängigkeit von der Geschlechterzusammensetzung der Studienfächer.

Literaturangabe

Stefani, A., & Schiffer-Fiedler, I. (2026). Women’s Experiences of Discrimination and Their Success Expectations in Higher Education: Evidence from Gendered Fields of Study. Research in Higher Education, 67(51). https://doi.org/10.1007/s11162-026-09923-4

Kontakt

Dr. Isabelle Schiffer-Fiedler

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