Mobilitätshemmnisse bei ausbildungsinteressierten Jugendlichen durch soziale Bindungen und hohe Wohnkosten

Mobilitätshemmnisse bei ausbildungsinteressierten Jugendlichen: Soziale Bindungen und hohe Wohnkosten

Eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen für eine Ausbildung keinen Wohnortwechsel in Betracht ziehen oder unsicher sind. Demgegenüber sind 47 Prozent der Befragten bereit, für eine Ausbildung umzuziehen. Davon würden 33 Prozent einen Umzug in die nähere Umgebung akzeptieren, während 14 Prozent einen deutschlandweiten Wohnortwechsel in Erwägung ziehen.

Hauptgründe für geringe Umzugsbereitschaft

  • Soziale Bindungen: 57 Prozent der Jugendlichen, die keinen Umzug planen, möchten in der Nähe von Familie, Freunden oder ihrem vertrauten Umfeld bleiben.
  • Hohe Wohnkosten: 56 Prozent geben die finanziellen Belastungen als wesentlichen Hemmfaktor an.
  • Lange und teure Heimfahrten: Jeweils 24 Prozent empfinden diese als hinderlich für einen Wohnortwechsel.

Gökay Demir, Forscher am IAB, betont die Bedeutung der Mobilität für die Bildungs- und Berufschancen junger Menschen sowie für die regionale Fachkräftesicherung.

Unterschiede nach Schulabschluss und Alter

Die Bereitschaft zum Wohnortwechsel variiert deutlich mit dem angestrebten Schulabschluss und dem Alter. So können sich 64 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten einen Umzug vorstellen, während dies nur auf 38 Prozent der Jugendlichen an Hauptschulen zutrifft. Hauptschülerinnen und Hauptschüler sehen vor allem die hohen Wohnkosten als größte Barriere. Ältere Jugendliche mit höheren Bildungszielen nennen dagegen häufiger soziale Gründe als Hinderungsgrund.

Empfohlene Maßnahmen zur Förderung der Mobilität

  • Frühzeitige und zielgerichtete Beratungsangebote
  • Finanzielle Unterstützung, beispielsweise durch Berufsausbildungsbeihilfe, Wohngeld und Mobilitätszuschüsse
  • Angebote zur sozialen Integration am neuen Wohnort
  • Vermittlung von bezahlbarem Wohnraum

Anna Heusler vom IAB hebt hervor, dass diese Maßnahmen dazu beitragen können, die Hemmschwellen für einen Wohnortwechsel zu überwinden.

Grundlage der Studie

Die Untersuchung „BeYou – Berufswahl und Du“ basiert auf einer Befragung von rund 6.300 Jugendlichen aus Abschlussklassen des Jahres 2024, die Beratungsleistungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Anspruch genommen haben. Die Stichprobe wurde mithilfe von Registerdaten der BA gezogen. Jugendliche ohne Kontakt zur BA sind in der Studie nicht berücksichtigt.

Weitere Informationen zur Studie sind verfügbar unter: https://iab-forum.de/was-ausbildungsinteressierte-jugendliche-an-einem-umzug-hindert

2 thoughts on “Mobilitätshemmnisse bei ausbildungsinteressierten Jugendlichen durch soziale Bindungen und hohe Wohnkosten”

  1. Mobilitätshemmnisse bei Jugendlichen sind alarmierend. Soziale Bindungen und hohe Wohnkosten dürfen nicht die Berufschancen junger Menschen gefährden. Finanzielle Unterstützung und gezielte Beratungen sind dringend nötig!

  2. Die Studie ignoriert, dass viele Jugendliche ohne Zugang zur Agentur für Arbeit sind. Ihre Stimmen fehlen, was die Ergebnisse verzerrt. Mobilität darf nicht nur die „Bessergestellten“ betreffen!

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