Finanzielle Bildung im Alter Lernen durch Erfahrung und familiären Austausch

Finanzielle Bildung im Alter: Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt der IU Internationalen Hochschule

Das Forschungsprojekt „FinBiSen – Finanzielle Bildung von Senior:innen“ der IU Internationalen Hochschule widmet sich der Untersuchung des Finanzwissens älterer Menschen sowie deren Bedürfnissen hinsichtlich finanzieller Bildung. Im Rahmen qualitativer Interviews mit 20 Personen ab 60 Jahren, durchgeführt im Zeitraum Oktober bis November 2025, wurden zentrale Erkenntnisse zum Umgang mit Geld im Alter gewonnen.

Erfahrungsbasiertes Lernen und familiärer Austausch

Die Ergebnisse zeigen, dass finanzielle Kompetenzen bei älteren Menschen vor allem durch praktische Lebenserfahrungen und den Austausch innerhalb der Familie erworben werden. Finanzielle Entscheidungen wurden häufig im Kontext konkreter Lebenssituationen getroffen, wie etwa beim ersten Gehalt, der Familiengründung oder dem Erwerb von Wohneigentum. Formale Bildungsangebote wie Seminare oder Kurse spielten dabei eine untergeordnete Rolle.

Familienmitglieder übernehmen eine wichtige Rolle bei der Weitergabe von Finanzwissen und der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Darüber hinaus werden Banken, Sparkassen und Steuerberatungen als verlässliche Ansprechpartner geschätzt, wobei Steuerberatungen tendenziell als unabhängiger wahrgenommen werden als Banken.

Einfluss von Lebensereignissen auf finanzielle Entscheidungen

Wesentliche finanzielle Herausforderungen ergaben sich insbesondere im Zusammenhang mit dem Erwerb von Wohneigentum, der Kreditaufnahme und deren Rückzahlung. Für Personen aus Ostdeutschland stellte der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel nach 1989/90 eine prägende Erfahrung dar, die neue finanzielle Fragestellungen mit sich brachte. Weitere bedeutende Lebensereignisse wie der Eintritt in den Ruhestand, berufliche Veränderungen oder familiäre Umstrukturierungen beeinflussten ebenfalls den Umgang mit Geld.

Priorität auf Sicherheit und selbstbestimmte Entscheidungen

Die Befragten legen großen Wert auf finanzielle Sicherheit. Sie bevorzugen den Aufbau von Rücklagen und vermeiden riskante Anlagen, deren Risiken sie nicht einschätzen können. Gleichzeitig streben sie an, ihre finanziellen Entscheidungen eigenständig zu treffen und setzen dabei auf ihre persönliche Erfahrung. Bei der Bereitschaft, finanzielle Risiken einzugehen, ist ihnen eine umfassende Verständlichkeit der Anlageprodukte und deren Konsequenzen besonders wichtig.

Anforderungen an Beratung und Bildungsangebote

Die Studie verdeutlicht den Wunsch nach verständlicher, vertrauenswürdiger und unabhängiger Beratung ohne Verkaufsinteressen. Effektiv sind demnach Angebote, die sich an konkreten Lebenssituationen orientieren, etwa dem Übergang in den Ruhestand, Fragen der Erbschaft oder Entscheidungen rund um Wohnen und Pflege. Der Austausch mit Gleichaltrigen wird als unterstützend angesehen. Zudem besteht Bedarf an speziell auf Frauen zugeschnittenen Bildungsangeboten, da diese oftmals weniger an finanziellen Entscheidungen beteiligt waren.

Notwendigkeit verbindlicher finanzieller Bildung

Die Untersuchung macht deutlich, dass finanzielle Bildung nicht dem Zufall überlassen werden sollte. Viele Befragte sprechen sich für eine frühzeitige und verpflichtende Verankerung finanzieller Bildung in Schule und Studium aus, um zukünftige Generationen besser auf finanzielle Herausforderungen vorzubereiten. Familiäre Prägungen wie Sparsamkeit und Schuldenvermeidung spielen eine Rolle, jedoch kann mangelnde Kommunikation über Geld zu Unsicherheiten führen.

Methodik der Studie

  • 20 problemzentrierte Interviews mit Personen ab 60 Jahren
  • Durchführung von Oktober bis November 2025
  • Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse
  • Ergebnisse bieten Einblicke, sind jedoch nicht repräsentativ für alle älteren Menschen

Über das Forschungsprojekt „FinBiSen“

Das interdisziplinäre Projekt wurde Ende 2025 an der IU Internationalen Hochschule gestartet und untersucht das Finanzwissen älterer Menschen sowie deren Unterstützungsbedarf. Ziel ist die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Bildungsangebote, die Senioren eine selbstbestimmte Finanzgestaltung ermöglichen. Die Leitung erfolgt durch Prof. Dr. Johannes Treu (Betriebs- und Volkswirtschaftslehre), Prof. Dr. Stephan Otto (Kindheitspädagogik) und Prof. Dr. Okka Zimmermann (Soziale Arbeit).

Finanzbildung als Forschungsschwerpunkt an der IU

Prof. Dr. Johannes Treu forscht an der IU zu Themen der finanziellen Bildung und ist als Experte in den Medien präsent. Im Jahr 2026 veröffentlichte er das Werk „Finanzielle Bildung, Finanzielle Inklusion, Finanzielles Wohlergehen, Nachhaltige Finanzen und Fintech“. Zudem war er an mehreren Studien beteiligt, unter anderem:

  • 2025: „Finanzielles Wohlbefinden: Stimmungslage in Deutschland“ (Link)
  • 2023: „Finanzielle Bildung – Wie gut ist das Finanzwissen in Deutschland?“ (Link)
  • 2022: „Gefühlte Inflation in Deutschland?“ (Link)

Kontakt für Rückfragen

Prof. Dr. Johannes Treu
Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre
IU Internationale Hochschule
E-Mail: johannes.treu@iu.org

Über die IU Internationale Hochschule

Die IU Internationale Hochschule ist mit über 120.000 Studierenden die größte Hochschule Deutschlands. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 bietet sie an 24 Standorten sowie online flexible Studienmodelle an, darunter duale Studiengänge, Fernstudien und Präsenzstudien. Mit mehr als 200 Studienprogrammen in den Bereichen Bachelor, Master und MBA vermittelt die IU praxisorientierte Kompetenzen. Innovative Lernmethoden und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz unterstützen ein personalisiertes Lernen. Die Hochschule kooperiert mit über 15.000 Unternehmen, um eine enge Verzahnung von akademischer Ausbildung und Praxis sicherzustellen.

Schreibe einen Kommentar