Abschluss der QuNET-Initiative und Aktivierung des bundesweiten experimentellen Quantennetzes zur Quantenkommunikation

Abschluss der QuNET-Initiative: Bundesforschungsministerin Bär startet bundesländerübergreifendes Quantenkommunikationsnetz

Am 28. Oktober 2026 beendete die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 125 Millionen Euro geförderte QuNET-Initiative ihr abschließendes Schlüsselexperiment mit einer Live-Demonstration. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär aktivierte in Berlin ein experimentelles Quantenkommunikationsnetz, das verschiedene Bundesländer miteinander verbindet. Beteiligte Länder sind Bayern, Berlin, Sachsen und Thüringen.

Förderung und Konsortium

Seit 2019 unterstützt das BMFTR die QuNET-Initiative mit dem Ziel, technologische Grundlagen für hochsichere Kommunikation zu erforschen. Im Fokus steht dabei die Quantenschlüsselverteilung (Quantum-Key-Distribution, QKD). Das Kernkonsortium umfasst das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF, das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik HHI, das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts (MPL), das Institut für Kommunikation und Navigation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Erklärung von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär

Ministerin Bär betonte: „Mit dem finalen Schlüsselexperiment der QuNET-Initiative haben wir einen bedeutenden Meilenstein der Hightech Agenda Deutschland erreicht. Die Demonstration zeigt, wie Quantenkommunikation künftig sensible Daten sicher vor Angriffen schützt und somit technologische Souveränität sowie Wertschöpfung stärkt. Nun gilt es, die Forschungsergebnisse zügig in die breite Anwendung zu überführen, um die Cybersicherheit von morgen zu gewährleisten.“

Aufbau des Quantenkommunikationsnetzes

Das abschließende Schlüsselexperiment fand in Berlin unter Anwesenheit der Ministerin statt und stellte das offizielle Abschlussereignis der QuNET-Initiative dar. In einem realitätsnahen Szenario demonstrierten Forschende gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft den Austausch quantenverschlüsselter Daten über ein experimentelles, bundesländerübergreifendes Quantenkommunikationsnetz.

Die beteiligten Bundesländer stellten jeweils regionale Teilnetze bereit, die vor Ort aktiviert wurden:

  • Bayern durch Ministerpräsident Dr. Markus Söder
  • Berlin durch den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner
  • Thüringen durch Ministerpräsident Mario Voigt
  • Sachsen durch Dr. Babett Gläser, Abteilungsleiterin Forschung im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus

Diese Teilnetze basieren auf lokalen Forschungsinfrastrukturen, die durch eigene Länderinitiativen aufgebaut wurden und bilden die Grundlage für das länderübergreifende QuNET-Netz. Nach der Bereitstellung der regionalen Netze gab Bundesforschungsministerin Bär in Berlin den Startschuss zur Zusammenschaltung und leitete die anschließende Live-Demonstration ein.

Live-Demonstration mit fiktiven Gesundheitsdaten

Die Live-Demonstration, technisch betreut vom MPL und der FAU, verband verschiedene Quantenkryptografie-Systeme zu einem gemeinsamen Netzwerk. Im Mittelpunkt stand ein praxisnahes Anwendungsszenario: Fiktive Apothekenabrechnungen wurden quantensicher vom Universitätsklinikum Jena über die DATEV bis zur Bundesdruckerei übertragen. Die Datenübertragung erfolgte dabei über bestehende Glasfasernetze, um die Integration der Quantenkommunikation in reale Kommunikationsinfrastrukturen zu überprüfen.

Prof. Dr. Andreas Tünnermann, Sprecher der QuNET-Initiative, erläuterte: „Die Zukunft der Quantenkommunikation liegt in einer hybriden Infrastruktur aus Glasfaser-, Freistrahl- und Satellitennetzen. Das abschließende Schlüsselexperiment zeigt, dass unterschiedliche Systeme und regionale Netze zusammenarbeiten können, was einen wichtigen Schritt zu einer praktischen Netz-Infrastruktur für hochsichere Kommunikation darstellt.“

Prof. Christoph Marquardt, wissenschaftlicher Leiter der Demonstration, ergänzte: „QuNET hat ein starkes Ökosystem für quantengesicherte Kommunikationsnetze geschaffen. Der Erfolg basiert auf der engen Kooperation von Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Deutschland, die gemeinsam die technische Basis für eine zuverlässige und marktfähige Sicherheitsarchitektur entwickelt haben.“

QuNET+ als Brücke zur Anwendung

Die QuNET-Initiative fördert seit Beginn die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, um Quantenkommunikation in reale Infrastrukturen zu integrieren und ein Innovationsökosystem in Deutschland aufzubauen. Die sogenannten QuNET-Plus-Projekte (QuNET+) bilden dabei eine Schnittstelle zwischen Forschung und industrieller Nutzung.

Seit 2022 entwickeln Unternehmen und Forschungseinrichtungen in zwölf Projekten Bausteine für zukünftige Quantenkommunikationsnetze. Diese umfassen unter anderem Detektormodule, Laserquellen, Datenverarbeitung, optisches Routing, Schlüsselmanagement sowie Testlabore und optische Bodenstationen in Oberpfaffenhofen und Jena.

Zu den Industriepartnern zählen Unternehmen aus den Bereichen Cybersicherheit, Telekommunikation, Elektronik, Photonik und Raumfahrt. Der Fokus liegt auch auf Standardisierung und Skalierung, beispielsweise bei interoperablen Schnittstellen für Schlüsselmanagementsysteme sowie bei Prüf-, Qualifizierungs- und Zertifizierungsverfahren für Quantenkommunikationstechnologien.

Ausblick: Von QuNET zur nächsten Generation

Mit der erfolgreichen Live-Demonstration in Berlin endet die siebenjährige Forschungsphase der QuNET-Initiative. Der Übergang von einem experimentellen Quantenkommunikationsnetz mit Schwerpunkt auf QKD-Anwendungen hin zur wirtschaftlichen Nutzung und Wertschöpfung in Deutschland beginnt nun.

Andreas Tünnermann, Sprecher der Initiative, betont: „Die in QuNET und QuNET+ erworbenen Kompetenzen, Technologien und Partnerschaften bilden die Basis, um Schlüsseltechnologien für sichere Kommunikation weiterzuentwickeln und in wirtschaftliche Anwendungen zu überführen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz sensibler Daten, sondern auch um technologische Souveränität und die Chancen für deutsche und europäische Unternehmen auf dem Markt für hochsichere Kommunikation. Die Ergebnisse der Initiative spiegeln sich in wissenschaftlichen Erkenntnissen, Patenten und mehreren Start-ups wider, die Entwicklungen in marktfähige Produkte umsetzen.“

Weiterführende Informationen

Kontakt für wissenschaftliche Anfragen

Prof. Dr. Andreas Tünnermann
Sprecher QuNET-Initiative
Institutsleiter Fraunhofer IOF
Albert-Einstein-Str. 7
07745 Jena
Telefon: +49 3641 807-202
E-Mail: andreas.tuennermann@iof.fraunhofer.de

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