Versorgung mit Schwimmbädern in Rheinland-Pfalz: Analyse eines neuen Forschungsberichts
Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) hat einen aktuellen Bericht zum Transferprojekt „Anwendung der Systematik zu Versorgungsgraden mit Schwimmbädern in Rheinland-Pfalz“ veröffentlicht. Die Leitung des Projekts obliegt Prof. Dr. Lutz Thieme von der Hochschule Koblenz, Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften am Campus Remagen. Ziel des Berichts ist es, die vorhandenen Daten zu Schwimmbädern in Rheinland-Pfalz systematisch auszuwerten und die Versorgungsqualität für die Bevölkerung vergleichbar darzustellen.
Entwicklung und Anwendung des Kennzahlensystems
Das verwendete Kennzahlensystem wurde im Rahmen des BISp-Projekts „Schätzverfahren Deutscher Sportstätten“ (SDS) entwickelt und von der Hochschule Koblenz weitergeführt. Es ermöglicht einen standardisierten Vergleich der Ausstattungen von Kommunen, Landkreisen und Bundesländern hinsichtlich Sporthallen, Sportplätzen und Schwimmbädern. Dabei dienen die Versorgungsgrade nicht als Zielvorgaben, sondern als Instrument zur Darstellung regionaler Unterschiede in der Sportinfrastruktur. Die Ergebnisse unterstützen politische Entscheidungsträger, Verwaltungen und Planer im Bereich der Sportentwicklung.
Das System wurde bereits in Thüringen angewandt. Der aktuelle Bericht untersucht, ob die Methodik auch unter anderen regionalen und politischen Rahmenbedingungen, wie in Rheinland-Pfalz, anwendbar ist.
Datenbasis und Methodik
Die Analyse basiert auf Daten der Plattform „Bäderleben“, die im Zuge eines weiteren BISp-geförderten Forschungsprojekts an der Hochschule Koblenz entstanden ist. Diese Datenbank enthält detaillierte Informationen zu Standorten, Typen und Ausstattungsmerkmalen von Schwimmbädern in Deutschland. Für Rheinland-Pfalz wurden die Daten umfassend geprüft, ergänzt und auf ihre Plausibilität hin kontrolliert.
Ergebnisse im Vergleich zwischen Rheinland-Pfalz und Thüringen
- In Rheinland-Pfalz existieren 282 Schwimmbäder für etwa 4,11 Millionen Einwohner, während Thüringen 216 Bäder für rund 2,14 Millionen Einwohner aufweist.
- Die Wasserfläche pro 10.000 Einwohner beträgt in Thüringen 965 Quadratmeter, in Rheinland-Pfalz hingegen nur 459 Quadratmeter. Besonders bei Lern- und Kursbecken sind die Wasserflächen in Thüringen deutlich größer.
- Regionale Unterschiede innerhalb Thüringens sind ausgeprägter, während die Schwimmbadversorgung in Rheinland-Pfalz insgesamt homogener verteilt ist.
- Die durchschnittlichen Distanzen zum nächsten Schwimmbad unterscheiden sich nur geringfügig. Allerdings erreichen in Thüringen mehr Einwohner innerhalb kurzer Wege ein Schwimmbad: Nach 3.000 Metern sind es 64 Prozent, in Rheinland-Pfalz 57 Prozent. Insbesondere in ländlichen Gebieten zeigt sich somit ein Nachteil für Rheinland-Pfalz.
- Die Öffnungszeiten der Bäder sind in Rheinland-Pfalz durchschnittlich etwas länger, was die geringere Wasserfläche jedoch nur teilweise kompensiert.
Innerhalb von Rheinland-Pfalz variieren die Schwerpunkte der Landkreise: So verfügt der Eifelkreis Bitburg-Prüm über kein klassisches Hallenbad, während die Vulkaneifel neben drei Naturbädern auch ein Freibad bietet.
Bewertung und Schlussfolgerungen
Prof. Dr. Lutz Thieme betont, dass die Ziele des Transferprojekts erreicht wurden, weist jedoch auf Einschränkungen bei der Vergleichbarkeit der Bundesländer hin. Rund ein Drittel der Bäder im Vergleich weist keine Wasserflächenangaben auf, was drei der Kennzahlen beeinflusst. Unterschiedliche Bauweisen und regionale Besonderheiten führen zudem zu Abweichungen zwischen den Schätzungen und der Realität. Der Vergleich mit Thüringen ist zudem durch unterschiedliche Badtypen und deren Einordnung leicht verzerrt.
Insgesamt zeigen sich in Thüringen häufig mehr Bäder mit größeren Wasserflächen sowie bessere Kennzahlen hinsichtlich Öffnungszeiten und Lernbecken. Gleichzeitig existieren bei einzelnen Merkmalen auch vergleichbare Strukturen zwischen beiden Bundesländern. Ein exemplarischer Vergleich ähnlicher Landkreise und kreisfreier Städte verdeutlicht, dass die Versorgung mit Schwimmbädern stark von regionalen Rahmenbedingungen abhängig ist. Stadt-Land-Unterschiede spielen dabei eine zentrale Rolle, wobei ländliche Gebiete in Rheinland-Pfalz infrastrukturelle Nachteile bei der Erreichbarkeit aufweisen.
Der Bericht empfiehlt, zur Bewertung der Versorgungssituation einzelne Kennzahlen und regionale Bedarfe differenziert zu analysieren.
Weiterführende Informationen
Der vollständige Forschungsbericht „Anwendung der Systematik zu Versorgungsgraden mit Schwimmbädern in Rheinland-Pfalz“ steht als PDF auf der Webseite des Bundesinstituts für Sportwissenschaft zur Verfügung: https://www.bisp.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Nachrichten/2026/Publikation_Baeder_RLP.html
Kontakt
Prof. Dr. Lutz Thieme
Hochschule Koblenz
E-Mail: thieme@hs-koblenz.de




















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