Strategien zur Generationenübergreifenden Sicherung des sozialen Status in Mittelschichtsfamilien: Studie enthüllt vier Ansätze

Strategien zur Generationenübergreifenden Sicherung des sozialen Status in Mittelschichtsfamilien: Studie enthüllt vier Ansätze

Strategien zum Statuserhalt in Mittelschichtsfamilien über Generationen

Die Angst vor sozialem Abstieg und der Verlust des gesellschaftlichen Status in nachfolgenden Generationen prägt gegenwärtige gesellschaftliche Debatten. Vor diesem Hintergrund untersucht eine aktuelle Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI), welche Strategien Mittelschichtsfamilien nutzen, um ihre soziale Position langfristig zu sichern. Die Analyse zeigt, dass der Statuserhalt nicht allein durch Bildungsinvestitionen gelingt, sondern verschiedene Handlungsweisen und Lebenskonzepte zum Tragen kommen.

Vier unterschiedliche Strategien des Statuserhalts

Dr. Andrea Hense, leitende Wissenschaftlerin der Studie, erläutert: „Unsere Untersuchung von neunzehn Familien aus den Bereichen Bildung, Medizin, Recht, Handwerk und Ingenieurwesen zeigt vier unterschiedliche Strategien, mit denen über drei Generationen der soziale Status gesichert wurde.“

  • Leistungs- und karriereorientierte Strategie: Diese entspricht klassischen Vorstellungen von Statusreproduktion. Sie ist geprägt durch ein starkes Leistungsstreben, gezielte Förderung und Forderung im Bildungs- und Berufsbereich sowie langfristige Karriereplanung. Herausforderungen ergeben sich insbesondere durch die Erwartungen an Doppelkarrierepaare und aktive Elternschaft.
  • Pragmatisch-erfahrungsbasierte Strategie: Hier werden berufliche und schulische Entwicklungsmöglichkeiten auf einem mittleren Niveau gehalten. Die Planung erfolgt schrittweise und orientiert sich an praktischen Erfahrungen. Familien unterstützen aktiv bei der Aneignung praktischer Kompetenzen. Diese Strategie wird durch zunehmende Akademisierung einzelner Berufsfelder unter Druck gesetzt.
  • Selbstverwirklichend-entwicklungsorientierte Strategie: Im Mittelpunkt steht das Streben nach Selbstermächtigung und individueller Entfaltung. Eigenverantwortung, informelles Lernen und das Ausprobieren persönlicher Interessen prägen diese Vorgehensweise. Nachfolgende Generationen sollen Berufe wählen, die ihren Neigungen entsprechen. Als Risiko wird eine mögliche Überforderung durch hohe Selbstverwirklichungsansprüche genannt.
  • Kooperativ-wirtschaftende Strategie: Diese basiert auf der Zusammenarbeit innerhalb eines Familienbetriebs. Mehrere Familienmitglieder übernehmen komplementäre Rollen, geprägt von Pflichtbewusstsein und einem ausgeprägten Arbeitsethos. Die Abstimmung von familiären und betrieblichen Aufgaben sowie die Nachfolgeregelung sind entscheidend. Interne Konflikte und Veränderungen im Geschäftsmodell stellen potenzielle Gefahren dar.

Familiäre Prägungen und Mentalitäten als Schlüssel zum Erfolg

Andrea Hense fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass Statuserhalt in der Mittelschicht vor allem als ein generationsübergreifendes Familienprojekt verstanden werden muss. Neben der Weitergabe materieller Ressourcen spielen die Vermittlung spezifischer Mentalitäten und die Förderung unterschiedlicher Handlungspraktiken eine zentrale Rolle, um langfristig in der sozialen Mitte zu verbleiben.“

Hintergrund der Studie und Publikation

Die Studie entstand im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts „Statuserhalt in der ‚sozialen Mitte‘: Intergenerationale Stabilisierung in Berufsfeldern der Mittelschicht“ in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Nicole Burzan (TU Dortmund) und Dr. Miriam Schad (Institut für sozial-ökologische Forschung).

Die Ergebnisse sind in dem 2026 veröffentlichten Buch dokumentiert:

  • Schad, Miriam; Hense, Andrea; Burzan, Nicole; Vogel, Berthold (2026): Wie Statuserhalt in der Generationenfolge gelingt. Lebenswirklichkeiten von Mittelschichtsfamilien. Weinheim: Beltz Juventa, 211 Seiten. Erhältlich als Print und kostenloses eBook.

Weitere Informationen zum Buch

Kontakt und Ansprechpartner

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e.V.
Georg-August-Universität Göttingen
Friedländer Weg 31
37085 Göttingen

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Andrea Hense
Telefon: +49 176 78571582, +49 551 52205-18
E-Mail: andrea.hense@sofi.uni-goettingen.de

Prof. Dr. Berthold Vogel
Telefon: +49 551 52205-0
E-Mail: berthold.vogel@sofi.uni-goettingen.de

Pressekontakt:
Dr. Jennifer Villarama
Telefon: +49 551 52205-19
E-Mail: jennifer.villarama@sofi.uni-goettingen.de

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