IWH-Insolvenztrend: Anstieg der Firmeninsolvenzen im September, leichter Rückgang im dritten Quartal 2026
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) veröffentlichte eine aktuelle Analyse, die einen erneuten Anstieg der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland im September 2026 dokumentiert. Im dritten Quartal ist hingegen ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorquartal zu verzeichnen, wobei das Niveau weiterhin das zweithöchste seit 2005 bleibt. Für das Jahresende wird eine Entspannung erwartet.
Entwicklung der Insolvenzzahlen im September 2026
Im September 2026 wurden laut IWH-Insolvenztrend 1.666 Insolvenzen bei Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Dies entspricht einem Anstieg von 9 % gegenüber August, 13 % im Vergleich zum Vorjahresmonat und 85 % über dem Durchschnitt der Septembermonate von 2016 bis 2019, also vor Ausbruch der Corona-Pandemie.
Auswirkungen auf Beschäftigte
Großinsolvenzen führen häufig zu erheblichen und langfristigen Einkommensverlusten für die betroffenen Arbeitnehmer. Die Anzahl der betroffenen Arbeitsplätze in den größten 10 % der insolventen Unternehmen lag im September bei etwa 11.600. Dies entspricht einem Rückgang von 28 % gegenüber dem Vormonat und 44 % im Vergleich zum September 2025, liegt jedoch 131 % über dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.
Quartalsvergleich und Branchenentwicklung
- Im dritten Quartal 2026 wurden insgesamt 4.880 Insolvenzen verzeichnet, was einem Rückgang von 2,3 % gegenüber dem zweiten Quartal entspricht, das einen 21-Jahres-Höchststand aufwies.
- Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze sank um 10 % auf rund 41.000.
- Bekannte Insolvenzen betrafen insbesondere Unternehmen aus dem Handelssektor, darunter Hellweg, BayWa-Baumärkte und Mäc-Geiz.
Regionale und sektorale Höchstwerte
Seit Beginn der IWH-Erhebungen im Jahr 2020 wurden im dritten Quartal 2026 neue Höchststände bei Insolvenzen in den Bereichen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Information und Kommunikation sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen erreicht. Auf regionaler Ebene verzeichneten Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Thüringen neue Rekordwerte. Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen blieben knapp unter ihren bisherigen Höchstständen. Bei den betroffenen Arbeitsplätzen wurde nur in Thüringen ein neuer Höchstwert registriert, bedingt durch mehrere größere Insolvenzen im Verarbeitenden Gewerbe und der Industriemontage mit etwa 2.500 betroffenen Stellen.
Prognose und Frühindikatoren
Das IWH nutzt Frühindikatoren, die das Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorwegnehmen. Für Oktober signalisieren diese weiterhin hohe Insolvenzzahlen, jedoch wird für das Jahresende eine Entspannung erwartet. Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, betont: „Nach dem Höhepunkt im zweiten Quartal ist die Zahl der Insolvenzen leicht gesunken, bleibt jedoch auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Für das vierte Quartal wird insgesamt mit einem Rückgang der Insolvenzen gerechnet.“
Methodik und Datenbasis des IWH-Insolvenztrends
Der IWH-Insolvenztrend liefert monatlich zeitnahe und belastbare Daten zu Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland und weicht nur geringfügig von den amtlichen Statistiken ab, die mit rund zwei Monaten Verzögerung veröffentlicht werden. Die Analyse basiert auf Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte, die mit Bilanzkennzahlen der betroffenen Unternehmen verknüpft werden. Dadurch stellt der Trend einen verlässlichen Frühindikator für das Insolvenzgeschehen und die wirtschaftliche Entwicklung dar.
Die im Insolvenztrend erfassten Insolvenzen umfassen über 90 % der von Unternehmensinsolvenzen betroffenen Arbeitsplätze sowie 95 % der Forderungen und spiegeln somit die volkswirtschaftlichen Auswirkungen präzise wider.
Im Unterschied dazu erfassen Regelinsolvenzen neben Unternehmensinsolvenzen auch Insolvenzen von Selbstständigen, ehemals Selbstständigen sowie privat haftenden Gesellschaftern und Einzelunternehmern. Die amtliche Statistik zu Unternehmensinsolvenzen inkludiert zudem Kleinstunternehmen, die wirtschaftlich weniger relevant sind. Die Anteile insolventer Personen- und Kapitalgesellschaften betragen weniger als die Hälfte der Regelinsolvenzen und etwa zwei Drittel der Unternehmensinsolvenzen. Die prozentualen Veränderungen bei Regel- und Unternehmensinsolvenzen können daher deutlich von denen der Personen- und Kapitalgesellschaften abweichen.
Weiterführende Informationen und Datenzugang
- Die vollständigen Datensätze stehen als Excel-Download zur Verfügung: https://www.iwh-halle.de/fileadmin/user_upload/data/insolvenztrend/iwh-insolvenztrend_daten.xlsx
- Details zur IWH-Insolvenzforschung und zur Methodik: http://www.iwh-halle.de/insolvenzforschung
Kontakt für wissenschaftliche Anfragen
Professor Dr. Steffen Müller
Telefon: +49 345 7753 708
E-Mail: Steffen.Mueller@iwh-halle.de




















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