Hitze erhöht Flüssigkeitsmangel-Risiko bei Demenzpatienten in Krankenhäusern deutlich

Hitze erhöht Flüssigkeitsmangel-Risiko bei Demenzpatienten in Krankenhäusern deutlich

Hitze in Krankenhäusern: Erhöhtes Risiko für Flüssigkeitsmangel bei Demenzpatienten

Eine aktuelle Untersuchung des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass Patienten in Krankenhäusern an heißen Tagen häufiger erstmals mit Flüssigkeitsmangel diagnostiziert werden, auch wenn dieser bei der Aufnahme nicht festgestellt wurde. Besonders ältere Menschen und Personen mit Demenz sind hiervon betroffen.

Ergebnisse der Studie

Die Forscher Henri Gruhl und Robin Kottmann analysierten rund 41 Millionen Krankenhausaufenthalte. Im Durchschnitt erhalten etwa 37 von 1.000 Patienten während ihres Klinikaufenthalts erstmals die Diagnose Flüssigkeitsmangel. Bei Temperaturen unter 20 Grad bleibt das Risiko relativ konstant, steigt jedoch ab 30 Grad deutlich an. Liegt der gesamte Aufenthalt an Tagen mit mindestens 30 Grad, erhöht sich die Fallzahl um etwa sechs pro 1.000 Patienten, was einem Anstieg von circa 17 Prozent entspricht.

Da Krankenhausaufenthalte selten vollständig in Hitzeperioden fallen, wurde auch der tägliche Einfluss untersucht: Bei einer durchschnittlichen Verweildauer von sieben Tagen erhöht jeder zusätzliche heiße Tag das Risiko um rund 2,4 Prozent, was etwa einem zusätzlichen Fall pro 1.000 Patienten entspricht.

Weitere gesundheitliche Komplikationen

Auch akutes Nierenversagen tritt bei hohen Temperaturen häufiger auf. Die Inzidenz steigt unter den gleichen Bedingungen um knapp 5 Prozent, von 17 auf fast 18 Fälle pro 1.000 Patienten. Da diese Komplikation eng mit Flüssigkeitsmangel verbunden ist und anhand von Laborwerten festgestellt wird, deutet dies auf eine tatsächliche Verschlechterung des Gesundheitszustands hin und nicht lediglich auf eine intensivere Dokumentation.

Besondere Gefährdung älterer und demenzkranker Patienten

Das Risiko nimmt mit dem Alter zu und erreicht bei Patienten ab 65 Jahren seinen Höhepunkt. Besonders ausgeprägt ist der Anstieg bei Menschen mit Demenz: Bei ihnen ist der absolute Zuwachs an Fällen fast dreimal so hoch wie bei gleichaltrigen Patienten ohne Demenz. Während bei Aufenthalten an heißen Tagen etwa 28 von 1.000 Demenzpatienten zusätzlich die Diagnose Flüssigkeitsmangel erhalten, sind es bei Patienten ohne Demenz rund 10. Ein möglicher Grund ist der erhöhte Unterstützungsbedarf beim Trinken bei Demenzkranken.

Schutzmaßnahmen und regionale Unterschiede

Die Studie zeigt, dass Krankenhäuser ihre Patienten trotz Hitze nicht vollständig schützen können, insbesondere jene mit erhöhtem Schutzbedarf. Kliniken in wärmeren Regionen weisen keinen erkennbar besseren Schutz auf. In größeren Krankenhäusern mit mehr als 600 Betten fällt der Hitzeeffekt etwas geringer aus, wobei dies auch auf Unterschiede in Patientenzusammensetzung, Spezialisierung oder Dokumentationspraxis zurückzuführen sein kann.

Eine Befragung von 263 deutschen Kliniken aus dem Jahr 2022 ergab, dass nur eine Minderheit über klimatisierte Patientenzimmer verfügt. Die Autoren empfehlen Maßnahmen wie kühlere Räume, regelmäßige Überprüfungen des Flüssigkeitshaushalts, feste Trinkroutinen sowie eine angepasste Personalplanung, um den Herausforderungen durch steigende Temperaturen besser zu begegnen.

Methodik

Die Analyse basiert auf Abrechnungsdaten von etwa neun Millionen Versicherten einer großen gesetzlichen Krankenkasse aus den Jahren 2005 bis 2025. Die Daten umfassen 2.108 Krankenhäuser und wurden mit Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes verknüpft. Es wurden nur Aufenthalte berücksichtigt, bei denen bei Aufnahme kein Flüssigkeitsmangel diagnostiziert wurde. Verglichen wurden Aufenthalte in derselben Klinik mit identischer Hauptdiagnose an wärmeren und milderen Tagen. Die Daten erlauben keine genaue Bestimmung des Zeitpunkts der Flüssigkeitsmangel-Diagnose und sind nicht als Qualitätsmaßstab für einzelne Kliniken geeignet.


Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

Robin Kottmann
E-Mail: robin.kottmann@rwi-essen.de


Originalpublikation

https://www.rwi-essen.de/fileadmin/user_upload/RWI/Publikationen/Ruhr_Economic_Papers/REP_26_1227.pdf

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