Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in Bioökonomie-Strategieprozessen bisher eingeschränkt
Dr. Jan-Hendrik Kamlage von der Ruhr-Universität Bochum und Dennis Arnold haben die Rolle der Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung von Bioökonomiestrategien in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie auf EU-Ebene untersucht. Ihre Analyse zeigt, dass eine explizite Einbindung der Bevölkerung in diesen Prozessen bislang selten dokumentiert wurde. Stattdessen dominieren organisierte Interessengruppen, wissenschaftliche Expertinnen und Experten sowie institutionelle Akteure.
Hintergrund der Studie
Die vom Bioökonomierat NRW initiierte Untersuchung, die seit Oktober 2026 online verfügbar ist, beschäftigt sich mit der Bioökonomie als Konzept zur Substitution fossiler Rohstoffe durch biologische Ressourcen. Dabei werden auch kontroverse Themen wie der Einsatz von Gentechnik oder die Konkurrenz zwischen Nahrungsmittelproduktion und industriellem Pflanzenanbau betrachtet. Kamlage betont die gesellschaftliche Relevanz dieser Entscheidungen und fordert eine frühzeitige Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. Aktuell haben jedoch vor allem organisierte und professionelle Akteure bessere Möglichkeiten, ihre Interessen einzubringen.
Empfehlungen zur Gestaltung der Bürgerbeteiligung
Aus der vergleichenden Analyse und vier vertiefenden Fallstudien entwickelten die Autoren fünf zentrale Empfehlungen für eine effektive Bürgerbeteiligung in Bioökonomie-Strategieprozessen:
- Frühzeitige Einbindung: Bürgerinnen und Bürger sollten bereits vor wesentlichen strategischen Entscheidungen beteiligt werden.
- Integration verschiedener Perspektiven: Es gilt, organisierte Interessen, wissenschaftliche Expertise sowie das lebensweltliche Wissen der Bevölkerung zusammenzuführen.
- Zugänglichkeit der Beteiligung: Unterschiedliche Formate sollten kombiniert und auf diverse Zielgruppen abgestimmt werden.
- Transparente Verarbeitung der Ergebnisse: Es muss nachvollziehbar gemacht werden, wie Vorschläge geprüft, berücksichtigt oder abgelehnt werden.
- Dauerhafte Verankerung: Bürgerbeteiligung sollte als kontinuierlicher Prozess verstanden werden, der mit der Weiterentwicklung und Evaluation von Strategien verbunden ist.
Kamlage unterstreicht, dass Beteiligung nicht mit der Abgabe von Meinungen enden darf. Entscheidend sei, wie diese Beiträge weiterverarbeitet und in politische Entscheidungen integriert werden. Eine klare Verbindung zwischen Beteiligungsprozessen und politischen Entscheidungsabläufen sei häufig unzureichend dokumentiert. Für eine erfolgreiche Umsetzung seien eindeutige Zuständigkeiten, transparente Verfahren sowie die Bereitschaft der Politik zur ernsthaften Auseinandersetzung mit den Ergebnissen erforderlich.
Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen
Dr. Jan-Hendrik Kamlage
Forschungsgruppe „Partizipation & Transformation“
ZESS, Ruhr-Universität Bochum
Telefon: +49 179 7802678
E-Mail: jan-hendrik.kamlage@ruhr-uni-bochum.de
Originalpublikation
Jan-Hendrik Kamlage, Dennis Arnold: Partizipation in der Bioökonomie: Gestaltungsprinzipien für konsultative Beteiligung in Strategieprozessen, 2026. Die Studie steht zum Download bereit unter: https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2026-10-29-partizipationsforschung-buergerbeteiligung-biooekonomie-strategieprozessen-bislang-begrenzt


















