Studie: Ängste vor KI und Zuwanderung formen politische Präferenzen und fördern soziale Investitionen oder Regulierung.

Studie: Ängste vor KI und Zuwanderung formen politische Präferenzen und fördern soziale Investitionen oder Regulierung.

Politische Relevanz der Angst vor Künstlicher Intelligenz versus Immigration

Eine aktuelle Untersuchung eines Forschungsteams der Universität Potsdam, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung analysiert, wie unterschiedliche Ängste vor wirtschaftlichen Risiken politische Forderungen beeinflussen. Die Studie unter Leitung von Dr. Licia Bobzien zeigt, dass die Wahrnehmung von Risiken wie Zuwanderung, technologischem Wandel durch Künstliche Intelligenz (KI) oder Offshoring die politischen Präferenzen der Bevölkerung maßgeblich prägt.

Zusammenhang zwischen Risikowahrnehmung und politischen Forderungen

In aktuellen wirtschaftspolitischen Debatten wird häufig diskutiert, wie ökonomische Veränderungen die politische Einstellung der Menschen formen. Die Studie verdeutlicht, dass Personen, die technologische Veränderungen als zentrales Risiko für den Arbeitsmarkt ansehen, tendenziell sozialpolitische Maßnahmen bevorzugen, während diejenigen, die Zuwanderung als Hauptbedrohung wahrnehmen, eher regulative Eingriffe wie den Schutz des heimischen Arbeitsmarkts unterstützen.

  • Technologiebezogene Risikowahrnehmung führt zu einer stärkeren Befürwortung sozialstaatlicher Investitionen und allgemeiner Sozialleistungen.
  • Angst vor Zuwanderung korreliert mit einer Präferenz für regulative Maßnahmen und einer geringeren Unterstützung sozialpolitischer Programme.
  • Die Furcht vor Offshoring zeigt ein differenziertes Bild: Politisch rechts orientierte Personen tendieren zu weniger staatlichen Eingriffen, während politisch links orientierte Personen mehr staatliche Interventionen befürworten.

Erklärungsansätze: Gruppendenken und soziale Grenzen

Die Forscher führen die unterschiedlichen politischen Reaktionen auf verschiedene Formen des Gruppendenkens zurück, die durch die jeweilige Risikowahrnehmung aktiviert werden:

  • Bei der Wahrnehmung von Zuwanderung als Hauptproblem entsteht ein kulturell geprägtes Denken, das zwischen Einheimischen und Zugewanderten unterscheidet. Dies führt zu einer stärkeren Unterstützung von Maßnahmen zum Schutz des nationalen Arbeitsmarktes und einer Ablehnung universeller Sozialleistungen, die als Unterstützung für „Fremde“ angesehen werden könnten.
  • Im Fall technologischer Risiken dominiert ein klassenbezogenes Denken, das den Konflikt zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Vordergrund stellt. Hier werden universelle Sozialleistungen als Mittel zur Stärkung der Arbeitnehmerposition betrachtet.
  • Die Wahrnehmung von Offshoring als Risiko lässt keine eindeutige Zuordnung zu einem Denkmuster zu, da die politische Orientierung die Interpretation und daraus resultierende Forderungen beeinflusst.

Implikationen für die Arbeitsmarktpolitik

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Arbeitsmarktpolitik nicht eindimensional als Frage nach mehr oder weniger staatlicher Intervention verstanden werden kann. Vielmehr müssen unterschiedliche soziale und kulturelle Denkmuster berücksichtigt werden, die zu verschiedenen politischen Forderungen führen.

Methodik und Datenbasis

Die Studie basiert auf zwei Erhebungswellen einer Panelbefragung aus den Jahren 2021 und 2022 mit insgesamt 1.112 Teilnehmern und 1.627 Beobachtungen in Österreich.

Publikation und Kontakt

Studie:
Licia Bobzien, Fabian Kalleitner, Lukas Schlögl: Technology, migrants or offshoring: How the perceived source of labour-market risks shapes policy demands, Journal of European Social Policy (2026).
DOI: https://doi.org/10.1177/09589287261491123

Kontakt:
Dr. Licia Bobzien
Professur für Sozialstruktur und soziale Ungleichheit
Telefon: 0331 977-3471
E-Mail: licia.bobzien.1@uni-potsdam.de

Universität Potsdam – Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam
Telefon: +49 331 977-1474
E-Mail: presse@uni-potsdam.de
Web: www.uni-potsdam.de/presse

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