Wettbewerbsfähigkeit Resilienz und Nachhaltigkeit als Schlüssel für erfolgreiche Unternehmensentwicklung

Zusammenhang von Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit in Unternehmen

Eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und der ESCP Business School, basierend auf einer repräsentativen Befragung von 501 Unternehmen, verdeutlicht die enge Verknüpfung der Faktoren Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit. Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle nachhaltig ausrichten, bewerten sich selbst als widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger. Diese Kombination führt zu einer sogenannten Dreifach-Dividende. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass in allen drei Bereichen für deutsche Unternehmen noch erhebliche Entwicklungspotenziale bestehen.

Herausforderungen und Chancen im unternehmerischen Umfeld

Vor dem Hintergrund von Energiepreisschocks, Klimawandel und technologischen Umbrüchen wie der Künstlichen Intelligenz stehen Unternehmen vor bislang unbekannten Herausforderungen. Bewährte Erfolgsmechanismen verlieren an Wirkung. Die Analyse der Umfrageergebnisse zeigt, dass insbesondere das Zusammenspiel von Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit erfolgversprechend ist. Unternehmen, die in einem dieser Bereiche gut abschneiden, erzielen meist auch in den anderen beiden positive Bewertungen. Diese drei Dimensionen sind demnach eng miteinander verbunden.

Fritz Putzhammer von der Bertelsmann Stiftung betont: „Erstmals liegen Daten vor, die belegen, dass Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen, sondern sich gegenseitig fördern können.“ Diese Erkenntnis könne die Nachhaltigkeitstransformation maßgeblich vorantreiben.

Unterschiedliche Entwicklungspfade in der Unternehmenslandschaft

  • 89 % der befragten Unternehmen passen derzeit ihre Wertschöpfung oder Geschäftsmodelle an.
  • Bei 56 % steht Nachhaltigkeit zumindest teilweise im Fokus dieser Veränderungen.
  • Eine Polarisierung zeichnet sich ab: 16 % der Unternehmen sehen Nachhaltigkeit als zentralen Treiber (Anstieg von 12 % vor drei Jahren), während der Anteil der „Basisunternehmen“, die kaum nachhaltige Transformation betreiben, von 21 % auf 27 % gestiegen ist.

Florian Lüdeke-Freund von der ESCP Business School beschreibt diese Entwicklung als „Doppel-Drift“: Während einige Unternehmen ihre Geschäftsmodelle intensiv anpassen, verharren andere weitgehend in ihrem bisherigen Kurs. Dadurch vergrößert sich die Kluft zwischen Unternehmen mit starker Nachhaltigkeitsintegration und solchen, bei denen Nachhaltigkeit kaum eine Rolle spielt.

Resilienz: Vorbereitung auf Krisen bleibt unzureichend

Viele Unternehmen fühlen sich schlecht auf zukünftige Krisen vorbereitet, etwa auf Lieferengpässe, Personalausfälle, Cyberangriffe oder Extremwetterereignisse. Über die Hälfte (50,5 %) bewertet ihre Vorbereitung als mangelhaft, lediglich 18,8 % sehen sich gut gerüstet. Zwar haben 54,8 % aus vergangenen Krisen gelernt, doch nur wenige verfügen über feste Budgets für Krisenprojekte oder führen regelmäßige Simulationen durch.

Die Corona-Pandemie hat an dieser Situation wenig geändert. Trotz der Erfahrung, dass ein Ausfall von bis zu 25 % der Belegschaft realistisch ist, geben 53,4 % der Unternehmen an, hierfür schlecht vorbereitet zu sein. Positiv bewerten viele Unternehmen jedoch ihren Beitrag zur Resilienz in der Wertschöpfungskette, etwa durch innovative Produkte, Dienstleistungen und Kooperationen.

Nachhaltigkeit als Treiber für Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit

Investitionen gelten als entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit. Deutsche Unternehmen agieren überwiegend defensiv: 60 % investieren in Erhalt oder Ersatz bestehender Anlagen, 44 % in Erweiterungen und nur rund 26 % in Forschung, Entwicklung und Innovationen. Je stärker Nachhaltigkeit bei der Geschäftsmodellentwicklung berücksichtigt wird, desto intensiver sind die Investitionen in die Zukunftsfähigkeit. Eine um 10 Prozentpunkte höhere Bedeutung von Nachhaltigkeit korreliert mit einer um fast 1,5 Prozentpunkte gesteigerten Investitionstätigkeit.

Obwohl das Investitionsverhalten insgesamt zurückhaltend ist, schätzen 61,9 % der Unternehmen ihre Fähigkeit, zukünftige Kundenanforderungen besser als Wettbewerber zu erfüllen, als positiv ein. Nur 4,1 % sehen dies anders.

Empfehlungen für Unternehmen und Politik

  • Unternehmen sollten ihre Einschätzungen zu nachhaltigkeitsbezogenen Chancen und Risiken regelmäßig überprüfen.
  • Potenziale zur Geschäftsmodellveränderung sind systematisch zu identifizieren.
  • Erfahrungen aus Krisen sollten in feste Vorsorgeprozesse integriert werden, etwa durch strategische Planung, kontinuierliche Verbesserungen, Übungen und Budgetierung.
  • Die Politik wird aufgefordert, die Nachfrage nach nachhaltigen und resilienten Produkten durch öffentliche Beschaffung, transparente Produktinformationen und marktbildende Standards zu fördern.
  • Unterstützungsmaßnahmen sollten auf den unterschiedlichen Transformationsstand der Unternehmen abgestimmt sein.

Methodik der Studie

Die Studie basiert auf einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Wirtschaft, die von IW Consult durchgeführt wurde. Für jedes Unternehmen wurden drei Indizes zwischen 0 und 1 ermittelt: nachhaltige Transformation des Geschäftsmodells, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Die statistische Auswertung zeigt signifikante positive Korrelationen zwischen diesen Indizes, was die enge Verzahnung der drei Faktoren unterstreicht.

Informationen zu den beteiligten Institutionen

Bertelsmann Stiftung: Die gemeinnützige Stiftung engagiert sich seit 1977 für gesellschaftliche Teilhabe in Politik, Wirtschaft und Kultur. Schwerpunkte liegen unter anderem auf Bildung, Demokratie, Digitalisierung und nachhaltiger Sozialer Marktwirtschaft. Weitere Informationen unter www.bertelsmann-stiftung.de.

ESCP Business School: Als älteste Business School weltweit wurde sie 1819 gegründet und ist mit Standorten in sechs europäischen Metropolen vertreten. Der Berliner Campus fokussiert sich auf Entrepreneurship, Nachhaltigkeit, Digitalisierung sowie Diversität und Inklusion. Mehr unter www.escp.eu.

Kontakt für wissenschaftliche Rückfragen

  • Fritz Putzhammer, Bertelsmann Stiftung, Tel.: 030 27 57 88-162, E-Mail: fritz.putzhammer@bertelsmann-stiftung.de
  • Florian Lüdeke-Freund, ESCP Business School, Tel.: 030 32 00 72 30, E-Mail: fluedeke-freund@escp.eu

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